Bund, Smog und Transrapid: Shanghai
So zumindest könnte die Zusammenfassung meiner kurzen Stipvisite in diese Stadt heißen – auch wenn ich zugestehe, das Shanghai deutlich mehr zu bieten hat.Der Ausblick aus dem Zimmer des gerade bezogenen Seagull Hotel ist in mehrfacher Hinsicht atemberaubend: Zum einen ist das Hotel sehr schön gelegen, mit Blick auf den legendären Bund und die Hochhäuser des ultramodernen Pudong, allerdings ist die Luft offensichtlich so schlecht, das man nicht wirklich etwas sieht.
Trotzdem sind Lage und Aussicht des Zimmers in der 10. Etage des Hotels erstmal ganz passabel:
Am nächsten Morgen ist die Lage leider nicht viel besser, später erfahre ich von einem “Einheimischen”, das dies für die Jahreszeit fast normal wäre, schließlich ist ja Winter… Gleichzeitig fragt er mich ziemlich ungläubig, ob man in Deutschland wirklich im Winter den blauen Himmel sehen könnte und ob die Flüsse auch wirklich sauberer wären. Abschließend fügt er hinzu, das Deutschland ja schon etwas weiter ist, als China und deshalb mit dem Umweltschutz anfangen kann… Und es kam, wie es kommen musste: Schließlich beschwerte er sich noch über den Empfang des Dalai Lama…
Egal, auf ins Getümmel. Die im Jahr 2010 nach Shanghai kommende Weltaustellung Expo wirft bereits an zahlreichen Stellen ihre Schatten voraus: Es wird gebaut in Shanghai, so ziemlich überall und immer.
Selbst die Straße direkt am Bund bleibt davon nicht verschont, davon später aber mehr.
Hektisch geht es zu in den Straßen von Huangpu, einem Stadtteil von Shanghai, den ich an diesem Tag durchkreuze.
An der einen oder anderen Stelle ergeben sich dann doch ganz interessante Perspektiven, hier zum Beispiel auf ein Kirchenschiff (…genau in der Mitte natürlich):
Die meisten der Häuser hier sind dem Untergang geweiht, mit ihnen werden auch ihre Bewohner umgesiedelt – meist in einer der Trabantenvororte von Shanghai, doch kaum einer von ihnen kann sich das tatsächlich leisten, hier ein Blick von der Transrapid Strecke:
Weiter geht’s zum Yuyuan Basar, auf dem man so ziemlich alles kaufen kann. Von der – natürlich nur für mich extra günstigen – Rolex oder Prada Tasche…
…über Weihnachtsschmuck in allen Ausprägungen (Weihnachten ist eigentlich unbekannt in China, wird durch den westlichen Einfluß jedoch immer populärer, den aufblasbaren Weihnachtsmann hat man sich jedoch bestimmt hier ausgedacht….),
…bis hin zum stoff- oder plüschbezogenen Klodeckel (wer kauft sowas eigentlich….):
Naja, aufgrund von Übergepäck muss ich leider verzichten und ehrlich gesagt, hat unser Bad das auch nicht verdient (und das ist jetzt absolut positiv gemeint) !
Also weiter zum Yu Yuan, dem Garten der Zufriedenheit. Eine Oase altchinesischer Ästhetik, allerdings auch etwas überladen mit Touristen, wie mir…
Die berühmte Zick Zack Brücke.
In den schmalen Gassen der Anlage tummeln sich zahlreiche kleine Läden, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – dann auch mal wirklich schöne Kunst- & Handwerksprodukte anbieten, meist allerdings auch zu recht hohen Preisen.
Hier zum Beispiel das Wood House:
Weiter geht’s noch tiefer in die Straßen von “Old Town”, der Reiseführer (mit den Insider Tipps…) versichert an 3 Stellen, das Shanghai zu jeder Tag- & Nachtzeit sicher sei, was ich auch uneingeschränkt bestätigen kann. Das Eintauchen in die Straßen lohnt, die Eindrücke sind berauschend:
Nun, nicht jeder ist begeistert über Touristen, die sich tatsächlich in die kleinen Gassen und Winkel wagen, wer genau hinschaut, sieht durchaus, wie der Herr mich beobachtet, um nicht “Opfer” eines weiteren Fotos zu werden…:
Zurück am Bund wird es Zeit für eine Überquerung des Flusses Huangpu, um in den ultramodernen Stadtteil Pudong zu gelangen. Also geht’s mitten durch die zahlreichen Frachter…
…zum “Möchte Gern New York” der kommenden Jahre. Optisch stimmt der Eindruck schon – krasser könnten die Gegensätze zum oben gezeigten Schuhmacher in Old Town kaum sein…
Die Super Brand Mall, die größte Einkaufsmeile Shanghai’s, im Inneren ist vom “alten China” nichts mehr zu merken, also flüchte ich nach einem kurzen Pflichtbesuch bei “Toy’s ‘r us“…
Am Abend geht’s per Taxi dann zurück zum Bund, die aktuellen Benzinkosten von gut 50 Cent pro Liter dürften ein Grund für die – für deutsche Verhältnisse – günstigen Taxigebühren sein. Auch am Abend hinterläßt die hohe Luftverschmutzung aber ihre Folgen, wenn in diesem Fall auch “nur” als rot leuchtender Dreck in diesen Bildern:
Eines der wenigen Bilder mit dem “Künstler”, genau genommen wohl das Einzige. In dem Fall “nur” eine Bank, aber ein durchaus schönes Beispiel für die vielen, kolonialen Bauten am Bund.
Zurückgekehrt ins Hotel gibt sich der Himmel außergewöhnlich aufgeschlossen und gönnt für wenige Minuten einen weniger staubigen Blick auf Bund und Pudong. Wenige Minuten, weil spätestens 22 Uhr die pompöse Beleuchtung abgeschalten wird – wohl um Energie zu sparen.
Am nächsten Morgen noch ein kurzer Blick auf traditionellen Morgensport vor moderner Kulisse:
Dann geht’s auch schon weiter zur Maglev, wie der Transrapid hier in Shanghai genannt wird. Die 31 km lange Strecke zum Flughafen wurde in nur 22 Monaten gebaut und befördert (nur) gut 7000 Menschen pro Tag für 50 Yuan (~ 5 EUR), womit die Strecke wohl für immer ein Prestige Objekt bleiben wird – auch wenn die tatsächlichen Baukosten wie ein Staatsgeheimnis behandelt werden.
Die Transrapid Station ist nicht am “normalen” Bahnhof, sondern in der Long Yang Road Station im Stadteil Pudong.
Mehrere Züge pendeln (eigentlich: “schweben”) auf der 2spurrigen Strecke jeweils von und zum Flughafen. Die Fahrstrecke selber wurde mit deutscher Unterstützung komplett in China gefertigt.
Nach wenigen Minuten geht’s von 0 auf 431 km/h (zur Verdeutlichung: das sind dann fast 120 Meter pro Sekunde)…,
…eine durchaus interessante Erfahrung für alle Sinne: Man spürt den Druck des Antriebs (eben 120 Meter in jeder Sekunde), hört relativ wenig durch das Schweben des Zuges und mit dem Sehen ist es auch etwas schwierig:
Mit durchschnittlich 73 Metern pro Sekunde schwebt man nach 7 Minuten mit deutscher Perfektion im Flughafen Pudong ein.
Wow.
Nur gut, das der Transrapid nicht mit Windows unterwegs ist. Man stelle sich vor, der Bildschirmschoner hätte die Fahrt bei 431 km/h unterbrochen, glücklicherweise ist es hier nur die Anzeigetafel der ankommenden Flüge. Schade, das man nicht sieht, ob es eine lizenzierte Version ist…
Ähnliche Artikel:
Keine ähnlichen Artikel gefunden.

























































