Lost in Translation – China, Tag 1
Das Reich der Mitte ist sprachlich bei mir eher das Abseits. Ausgestattet mit dem aktuellen Reiseführer (natürlich der, mit “Insider Tipps”), dem Country Culture Navigator für China und Shanghai / Suzhou als Ziel, lies ich mich davon aber nicht verschrecken und kann nun nach 1 Tag schon nachvollziehen, was dem Einen oder Anderen Zuschauer bei dem gleichnamigen Film “Lost in Translation” eher verborgen blieb…Das Abenteuer beginnt bei der Suche nach passenden Flügen. Jeder will derzeit nach China, so bestätigt es mir zumindest die Dame im Reisebüro während sie versucht zu erklären, warum der Kurs für 1 Holzsitz bei der Lufthansa in Richtung Shanghai bei aktuell > 5000 EUR liegt. Der Flieger sei zwar noch leer, aber Lufthansa sei sich sicher, er wird noch voll. Über Warteliste und
Verlängerung um jeweils das erste und letzte Wochenende komme ich dann doch noch auf aktzeptable Raten für einen Direktflug nach Shanghai.
Im Flieger angekommen beschleicht (Nein, eigentlich müsste man sagen: “Bedrückt !”) mich dann das Gefühl, das Sitzdesign und vor allem Abstand im neuen Airbus 343-600 eher an die Körpermaße des Ziellandes China, als an meine durchschnittlichen 1,85 Meter angepaßt sind, aber nach 11 Stunden läßt der Eindruck dann nach…
Angekommen gehts zur Einreise, die nach dem komplexen Visa-Prozess in Deutschland ja jetzt ein Kinderspiel sein muss. Nicht ganz so relaxed sieht das der Beamte am Einreiseschalter, der peinlich genau prüft, was ich vor wenigen Tagen für schlappe 93 EURO biometrisch genauer Passgebühr und gut 60 EURO Visagebühr erhalten hatte und nun über den Schalter reiche. Noch während die Untersuchung andauert, beginnen 4 kleine Lampen vor mir zu blinken und fordern
mich auf, über die Qualität und Schnelligkeit der Einreiseprozedur abzustimmen. Da ich noch jenseits der gelben Linie stehe und mein Pass hinter dem Schalterglas liegt, ignoriere ich das Angebot vorsorglich…
Gut 1,5 h später im Hotelzimmer angekommen, setzt die erste Ernüchterung ein, so schwer kann das also mit einer Fernbedienung sein, die sonst vom Layout her doch meiner Fernbedienung zu Hause nicht so fremd ist:
Das Hotel selber im Herzen von Suzhou (~ 80 km von Shanghai) ist sehr schön, im Innenhof kommt fast etwas Weihnachtsstimmung auf.
Um das bedrückende Gefühl, welches die Sitze im Airbus hinterlassen haben, loszuwerden, entschließe ich mich zu einem kleinen Abendausflug in die Innenstadt.
Die Müdigkeit läßt mich nicht zu weit kommen und als ich vor lauter Begeisterung noch einen der vielen bunten, aber für mich unverständlichen Schriftzüge festhalte, wird mir prompt ein Besuch im nahegelegenen “Massagestudio” angeboten. Was wohl zu diesem Angebot geführt hat…? Für mich das klare Zeichen, im Hotel den verlorenen Schlaf nachzuholen und den Ausflug am nächsten Tag in Ruhe fortzusetzen.
Nach über 12 h dringend nötiger Aus(schlaf)zeit also der 2. Anlauf. Der Weihnachtsmann vor dem Hotel sieht für mich zwar immernoch mehr aus, wie der Grinch, an fehlendem Schlaf dürfte das aber nicht liegen.
Dann geht’s auch gleich rechts in die Guan Qian Jie, die zentrale Straße der Füßgängerzone im Zentrum von Suzhou.
So witzig ich das am Vorabend noch fand (ok, Folgen von Schlafentzug), so aufdringlich sind die “Jingle Bells” Hupen der sonst sehr nützlichen, kleinen Shuttles durch die Innenstand, wenn sie das 1134te mal an einem vorbei fahren…
Im Zentrum der Fußgängerzone liegt dann der daoistische Tempel Xuanmiao Guan, in dessen Torhalle 6 Generäle wachen. Rund um den Tempel ist an diesem Tag Markt.
In der Haupthalle thronen die Drei Reinen, die Hochgötter der daoistischen Religion, umgeben von den Figuren der 60 Jahresgötter.
Gelegentlich wird hier aber auch den irdirschen Notwendigkeiten nachgegeben:
Dort begegnet mir dann auch die einzige, lebende Katze, die ich – bis zu diesem Zeitpunkt zumindest – gesehen habe.
Und damit sind wir beim Stichwort: Essen. Essen wäre gut. Nur eben was isst man am ersten Tag ? Nun sagt ja das Sprichwort, das der Bauer das nicht essen mag, was er nicht kennt (so ähnlich zumindest…), trotzdem kann man sich ja mal umschauen.
Nicht wiedererkannt und auch nicht probiert:
Wiedererkannt, aber trotzdem nicht probiert…
Insgesamt tue ich mich etwas schwer, hier die richtigen Angebote auszumachen.
…und überhaupt:
und außerdem:
Ich glaube, ich habe mich noch nie so sehr über einen Pizza Hut Laden gefreut, wie an diesem Tag. An die lokalen Spezialitäten kann ich mich ja in den nächsten Tagen noch herantrauen.
Eine Sache ist mir allerdings beim Durchqueren der Straßen und Passagen aufgefallen: Es gibt hier inzwischen wahrscheinlich mehr Mobiltelefone, als Fahrräder. Alle wollen Mobiltelefone und es gibt Zig Hundert verschiedene Modelle der unterschiedlichsten Hersteller (…Lenovo !?). Je lauter es vor und im Shop ist, um so besser. Scheint zumindest so.
Ansonsten ist es am Wochenende in der Tat auffallend voll auf den Straßen, egal ob per Fahrrad, Elektro-Moped (immerhin !) oder Auto.
Also mache ich mich am Ende dieses Tages auf den Rückweg zum Hotel. Nachdem es jetzt schon dunkel ist, fällt mir bei der Gelegenheit dann auch sehr angenehm auf, wofür meine Garmin Forerunner GPS Uhr noch so alles nützlich ist: Wenn man sich vielleicht aufgrund der fremden
Sprache weder orientieren, noch verständlich machen kann, aber doch irgendwie zum Hotel zurück möchte…!
Dank der GPS Wegaufzeichnung der Garmin Forerunner taucht dann tatsächlich der Stadtkanal irgendwann wieder auf meinem Weg auf …
und wenige Minuten später dann auch das Hotel.





























Schön geschrieben und schön anzusehen. War gut so den heutigen Freitag zu beginnen. Hatte wegen Konzentrationsschwierigkeiten das zuvor gelesene Technische nicht richtig verstanden…
Da dachte ich, ich sollte was anderes tun