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Wohnmobil Urlaub in den USA: Bevor man sich entscheidet

Das Interesse an Ferien mit dem Campmobil, Motorhome, Pickup oder Van hat in den letzten Jahren stark zugenommen. In Unabhängigkeit von Hotels und Zivilisation unterwegs zu sein klingt verlockend, ist aber eben auch vielleicht nicht jedermanns Sache, obwohl man vorweg sagen muss, das Camping in den USA – wie viele andere Dinge eben auch – auf einem ganz anderen Niveau stattfindet, als man das vielleicht hier aus Deutschland oder Europa kennt.Fangen wir mit den positiven Dingen an, was ist mit dem Wohnmobil in den USA völlig anders, als hier in Deutschland oder Europa:

  • Die Fahrzeuge sind deutlich größer und damit geräumiger als in Deutschland / Europa.
  • Die größeren Wohnmobil-Modelle lassen sich im Stand noch weiter vergrößeren, in dem Seitenteile elektrisch ausgefahren werden können (sogenannte Slide Out’s).
  • Dementsprechend sind bei der Ausstattung kaum Kompromisse nötig: vollwertige Möblierung mit großen Schränken, Gasherd, Mikrowelle, vollwertiger Kühlschrank, komplette Duschkabine, …, beim Bau der Wohnmobile scheint es oft so, das diese Einrichtungs-Dinge aus dem alltäglichen Leben verwendet und ein Wohnmobil herum gebaut wurde, so entsteht eben die Größe und das Gewicht der Fahrzeuge.
  • Große, sehr geräumige Straßen – genau richtig für diese Art von Fahrzeugen !
  • extrem gutes Netz an Campgrounds, also Stellplätzen für Wohmobile
  • (private) Campgrounds haben ein sehr hohes Niveau, teilweise auf Hotelstandard mit Pools, Spielplätzen, Restaurants, kleinen Geschäften für den täglichen Bedarf und Wasch Salons
  • entsprechend gute Versorgung der Wohnmobile auf diesen (privaten) Campgrounds mit permanent Strom, Wasser, Abwasser, auf Wunsch auch Telefon- & TV-Anschluß, teilweise sogar Internet Zugang über WLAN
  • Der Straßenverkehr in USA ist grundsätzlich langsamer und weitläufiger als hier in Deutschland, ein Wohnmobil, sei es auch noch so groß, fällt dort nicht wirklich auf, selbst auf dem Supermarkt Parkplatz stört ein Wohnmobil niemand (zumindest während des Einkaufs, Übernachten ist dort meist nicht erlaubt, zum Thema Stellplätze und Campgrounds später aber mehr)

Mit 8,70 Meter und 6,6 Tonnen beim Einkaufen:

8.70 mtr - 306 PS - 10 Zylinder - 6.6 t

Spielen auf dem KOA Miami / Everglades:

KOA Miami / Everglades

KOA bei Napples, Florida:

KOA bei Napples (2)

KOA unterhalb Miami, nahe Everglades:

Campground Miami / Everglades

Sieht nicht nach Campground aus, gehört aber durchaus dazu: Auf dem KOA unterhalb Miami / Everglades:

Auszeit am Campground

Viele der unangenehmen Einschränkungen und Kompromisse beim Wohnmobil-Urlaub in Deutschland oder Europa kann man also gestrost streichen.

Wann sollte man allerdings – unserer Meinung nach – auf einen Wohnmobilurlaub in den USA verzichten:

  • überhaupt keine Englisch Kenntnisse
    • Amerikaner sind sehr tolerant, was ihre Sprache betrifft. Das hat sicher auch mit den bunten Mix an Menschen zu tun, der einem in vielen, typischen Urlaubsregionen begegnet.
    • Der Urlaub im Wohnmobil erfordert allerdings an einigen Stellen durchaus etwas Selbständigkeit, für die man dann wohl oder übel etwas Englischkenntnisse parat haben sollte. Sicher kann man die komplette Route von zu Hause aus im Internet vorbuchen und beim Einkauf kommt man auch noch ohne Englisch klar. Einige Anbieter versprechen auch die Fahrzeugübergabe oder Rücknahme in Deutsch (…in der Praxis funktioniert das meist nicht), allerdings kann es beim Zurücklegen großer Strecken auch mal zu kleineren oder größeren Schäden am Fahrzeug kommen und schon ist man auf Hilfe vor Ort angewiesen. Ich meine damit weniger gleich den schweren Verkehrsunfall, allein das Versagen einer Heizung, der Klimaanlage oder der Wasserversorgung kann es unterwegs auch mal notwendig machen, einen der (stets sehr netten und hilfsbereiten Nachbarn) auf dem Campground (Stellplatz für Wohnmobile) um Hilfe zu bitten.
    • In vielen Attraktionen und Vergnügungsparks gibt es eigene Parkplätze oder Einrichtungen für Wohnmobile (die Amerikaner sagen “RV” = Recreation Vehicle), auch beim Einchecken auf dem Campground kommen schon mal spezielle Anweisungen für das Einparken oder die Frage nach Wünschen bezüglich des Stellplatzes für das Wohnmobil.
    • Auch auf den Camgrounds geht es weniger Anonym zu, als im Hotel. Da kommt der Nachbar schon mal zu einem Schwatz rüber oder man feiert ein gemeinsames Fest.
  • keine Erfahrungen mit dem amerikanischen Straßenverkehr oder unsicherer Fahrer
    • Das ist ein sicher eher subjektiver Punkt (genau wie der nächste, bzgl. Erfahrungen mit großen Autos), allerdings kann es schon extremen Stress bedeuten, plötzlich ein 7 Tonnen schweres und 10 Meter langes Wohnmobil durch eine Stadt, wie Los Angeles oder gar New York zu lotzen (naja, oftmals startet die Tour eben in solchen Großstädten und nicht in Nevada oder Texas…). Der Vekehr fließt deutlich langsamer als in Deutschland, wer aber keinerlei Erfahrungen mit dem amerikanischen Straßenvekehr, der Orientierung in Himmelsrichtungen usw. hat, fühlt sich vielleicht sehr schnell überfordert.
  • keine Erfahrung oder Unsicherheit mit (sehr) großen Autos
    • hier gilt das eben schon gesagte: Wirklich viel Komfort, Ausstattung und Platz bekommt man mit den größeren Wohnmobilen, die schnell die Größe eines (kleinen oder großen) Busses hier in Deutschland annehmen. Wer dann aber sehr unsicher im Umgang mit großen Autos ist, fühlt sich ebenfalls schnell überfordert und der Urlaub artet in Stress aus. Wer allerdings ein Auto sauber nach Spiegel einparken und fahren kann, hat gute Voraussetzungen für die größeren Wohnmobil Modelle.

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Wohnmobil Urlaub sollte man außerdem noch beachten:

  • Auf den richtigen Anbieter kommt es an.
    • Wie bei der Autovermietung auch, kommt es beim Wohnmobil auf den richtigen Anbieter an. Allerdings gibt es einen kleinen Unterschied: in einem schlecht gepflegten Auto muss man nicht wohnen oder schlafen, in einem schlecht gepflegten Wohnmobil dagegen schon und da geht die Urlaubsfreude schnell verloren. Mit anderen Worten: Günstige Anbieter sind zwar günstig, haben aber meist auch die deutlich schlechteren Fahrzeuge, schlechte Fahrzeuge sorgen für Frust und Frust hat im Urlaub nichts verloren. Vermeintlich gespartes Geld geht hier schnell wieder drauf.
  • Private Campgrounds und National Parks
    • Wie schon erwähnt ist das Netz an “Campgrounds“, also Stellplätzen für Wohnmobile in den USA sehr dicht. Darunter sind auch sehr viele öffentliche Campgrounds, die man als Tourist aber lieber meiden sollte. Die öffentlichen Campgrounds sind oft sehr günstig und werden so in der einheimischen Bevölkerung schnell zum “Mobile Court”, einer Wohngegend in der dann viele gestrandete Existenzen für den Rest ihres Lebens hängen bleiben. Für Wohnmobil Urlauber gilt daher: private Campgrounds anfahren, einzige Ausnahme sind einige National Parks der USA, die ebenfalls Campgrounds anbieten. Für die Campgrounds in den National Parks gilt allerdings sehr häufig, das man sie oft schon Monate im voraus buchen muss, da sie meist verhältnismäßig günstig und schön bzw. “exklusiv” gelegen sind.
  • extrem heiße oder sehr kalte Gegenden
    • Trotz der Größe ist ein Wohnmobil kein Hotelzimmer, zumindest nicht so gut gegenüber Kälte oder Wärme geschützt, wie ein Massivbau. In anderen Worten: Sehr heiße oder sehr kalte Gegenden oder Jahreszeiten würden wir mit dem Wohnmobil meiden. Die größeren Modelle verfügen zwar meist über 2 Klimaanlagen (übrigens aus unserer Sicht ein MUSS !) und auch über eine Heizung, aber nach 4 Wochen Nachts vor Kälte aufwachen, Heizung andrehen und schlecht wieder einschlafen ist einfach von Erholung keine Spur mehr. Schlimmer noch als Kälte ist Hitze, den die Klimaanlage benötigt Strom, für Strom benötigt man den Generator (oder einen entsprechenden Anschluß auf dem Campground) und mit der Zeit nervt das Geräusch oder man verkühlt sich recht schnell.
    • Nebenwirkung von Hitze gepaart mit Feuchtigkeit sind oft auch Insekten, also Mücken oder Non See Ums (kleine, schwarze Fliegen, die man eigentlich kaum sieht, die aber recht unangenehm beißen…), daher also lieber sehr heiße Gegenden oder sehr heiße Jahreszeiten meiden.
  • zu lange Strecken
    • Mit dem Wohnmobil hat man zwar sein Hotel permanent dabei, wer möchte aber den ganzen Tag in seinem Hotel sitzen und aus dem Fenster starren ? Daher gilt auch beim Wohnmobil: Weniger (oder kürzer) ist mehr. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit jeweils 2 oder mehr Übernachtungen auf einem Campground gemacht, so hat man einen Nachmittag zur Anreise und zum “Andocken” des Fahrzeugs und dann mindestens einen Tag zum Ausspannen, Pool ausprobieren oder zum Erkunden der Gegend ohne den abendlichen Stress der Suche nach dem nächsten Stellplatz. Der Urlaub sollte also nicht fahrrend im Wohnmobil stattfinden, das Wohnmobil ist nur Mittel zum Zweck.

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